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EMTC Workshops – die optimale Passform

Passform! Ein grosses Thema – das kaum in einen Vortrag von 50 Minuten passt. Patrick Schudel, seit dreissig Jahren im Fach, in den letzten zehn Jahren in der technischen Leitung in namhaften Firmen wie Bäumler, Strellson, Hugo Boss, Scabal oder Akris, versuchte es trotzdem und stiess mit seinem Vortrag auf grosses Interesse.

Vor allem Schudels Kritik an den Passformen, die man heute so auf der Strasse sieht, wurde von den Massschneidern mit viel Pläsier angenommen. Männer würden Bequemlichkeit irrtümlicherweise immer mit Weite verwechseln und die Verkäufer im Handel unzureichend geschult, wie ein Anzug sitzen müsste.

Patrick Schudel unterscheidet heute im wesentlichen drei Verarbeitungsarten, die alle auf ihre Art auf die Passform einwirken:

  • Klassische Konfektionsverarbeitung – das ist das, was die grossen Firmen heute in den Vordergrund stellen. Man arbeitet mit Standardgrössen. Vorteil: Es kann in Masse produziert werden, Nachteil: der Kunde muss unter Umständen lange suchen, um seine Passform zu finden. Aber auch in der Konfektion wird diskutiert und immer wieder um das richtige Mass gefeilscht. Der Kunde ist heute viel anspruchsvoller als vor zwanzig Jahren. Früher war der Anzug sehr maskulin und kastig, heute wird er zunehmend körperbetont.
  • Made-to-Measure oder Masskonfektion, die mit Schlupfgrössen arbeitet. Die Arbeit ist anspruchsvoll, bietet dem Kunden aber grosse Vorteile, was die Passform betrifft. Die Masskonfektion verlangt vom Schneider aber eine recht grosse Investition in Schlupfteilen. Oft sind Anpassungen auf Mass, die ein wenig stärker von der Norm abweichen, dann recht knifflige Manöver. Soll Masskonfektion auch bequem sein, ist viel Fachkenntnis nötig. An die Grenzen stösst die Masskonfektion auch bei starken asymmetrischen Abweichungen des Kunden.
  • Feinmass oder Massschneiderei ist die Königsklasse. Hier wird für jeden Kunden einzeln ein Schnitt erzeugt und das Teil einzeln zugeschnitten. Über Anproben tastet sich der Massschneider an die perfekte Form des Stücks herein.

Patrick Schudel wies in seinem Vortrag darauf hin, dass es regionalspezifische Unterschiede bezüglich der Passform gibt. Englische Passform bedeutet Optionen, die nicht jeder sieht, rückwärtige Seitenschlitze und eine markantere Schulter. In Italien wird tendenziell etwas knapper und enger geschnitten, die Schulter ist schmaler und weicher. Die Proportionen in Asien sind im Gesamten kürzer. Geschockt sei er in den USA gewesen, sagte Schudel – die Amerikaner seien von Qualitäts- und Passformverständnis den Europäern weit hinterher. Hier würde vor allem auf Masse produziert, um möglichst viele Menschen zu befriedigen. Deswegen sind die Schnitte in den USA in der Regel sehr grosszügig geschaffen.

Der entscheidende Faktor bei der Passform sei in jedem Fall die Zeit, die ein Hersteller sich nimmt, so Patrick Schudel. Sich mehr Zeit zu nehmen sei immer die bessere Option, denn Fehler zu korrigieren, die entstehen, weil jemand Zeit sparen wollte, seien im Nachhinein viel kostspieliger, als wenn sich man von Anfang an etwas mehr Zeit genommen hätte.

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