Zum Inhalt springen

„Das Bewusstsein für ,Made in Switzerland‘ nimmt zu“

Hans Luginbühl, Präsident des Centralverbands Schweizerischer Schneidermeister (CSS), über den Traditionsberuf des Schneiders, dem er eine vielseitige Zukunft voraussagt.

EMTC: Herr Luginbühl, wie hat sich ihr Gewerbe in den letzten 25 Jahren verändert?

Hans Luginbühl: Die letzten Jahre waren teilweise schon schwierig. Herren-Massschneider, die auf eigene Faust tätig waren, konnten zuletzt nur vom Feinmass kaum noch leben. Also haben die meisten inzwischen auch Masskonfektion in ihr Angebot aufgenommen und verspüren dadurch wieder Aufwind. Bei den Frauen ist es ähnlich – auch da gibt es immer mehr Betriebe, die nicht nur Haute Couture machen. Was sich aber kaum verändert hat: ,Made in Switzerland‘ ist auch heute noch ein wertvolles Argument, das Bewusstsein hierfür nimmt sogar wieder zu.

Wie geht es dem Schneiderhandwerk in der Schweiz heute?

Unserem Handwerk geht es von der Ausbildung her wieder besser – ab August 2014 tritt die neue Berufsreform in Kraft, welche die Ausbildung breiter auffächert. Ergebnis ist eine vielseitigere Ausbildung, die neue Fertigungstechniken und Zusammenhänge aufzeigt und ein einheitliches Schnittsystem benutzt, nämlich das von Robert Rähle entwickelte und an der Schweizerischen Textilfachschule verfeinerte ,Unicut‘. Wir haben auch ein neues Handbuch für die Berufsausbildung, das alle benutzen können, ob sie nun Damenschneiderinnen, Herrenschneider, Modistinnen, Kürschner und Pelznäher sind.

Was sind die besten Schweizer Schulen, die das Schneiderhandwerk unterrichten?

Die Schweizer Berufsschulen sind alle auf ihre Art gut, das Niveau ist durchgängig recht hoch. Es gibt vielleicht einige regionale Unterschiede. So legt man in der Westschweiz etwas mehr Fokus auf die kreativen Disziplinen, in der Deutschschweiz ist die technische Qualität ein stärkeres Thema.

Wie viele Lehrplätze gibt es heute?

Wir haben heute in der Schweiz über alle Disziplinen gesehen fast tausend Lehrstellen, das finde ich doch eine beachtliche Zahl. Den Hauptteil machen die Lehrwerkstätten der Berufsschulen aus, aber es gibt auch noch eine Vielzahl von Haute-Couture-Ateliers, welche Nachwuchs ausbilden.

Hans Luginbühl, Präsident des Centralverbands Schweizerischer Schneidermeister (CSS).

Hans Luginbühl, Präsident des Centralverbands Schweizerischer Schneidermeister (CSS).

Was sagen Sie Eltern, die ihr Kind vom Berufsziel des Schneiders abbringen wollen, weil sie fürchten, dass der Beruf keine Zukunft hat?

Dieser Beruf hat durchaus viel Zukunft! Man kann sich nach der Lehre in Ateliers bewähren – gute Schneider sind gesuchte Fachleute – oder sich nach der Lehre auf vielfältige Weise weiterbilden. Der Trend geht eindeutig nach oben. Bei den Herrenschneidern haben wir schon länger eine verstärkte Nachfrage nach Lehrstellen. Und das wird nicht weniger werden.

Die Schweiz richtet diesen Jahr den EMTC in Basel aus – was macht für Sie den Reiz dieses internationalen Schneidermeister-Kongresses aus?

Ich freue mich, dass wiederum weit über hundert Teilnehmer aus vier Ländern zusammenkommen und weiss jetzt schon, dass auch etliche dabei sind, welche vor zehn Jahren schon in Stein am Rhein dabei waren. Das Schneiderhandwerk lebt!

Der Centralverband Schweizerischer Schneidermeister – CSS – in Zürich wurde 1907 gegründet und hat zurzeit 101 Mitglieder. Im Mittelpnkt der Verbandsgeschäfte steht die Ausbildung von Lernenden. Darüber hinaus organisiert der CSS ein Kursprogramm mit  fachlichen, wie auch unternehmerischen Weiterbildungsmöglichkeiten.

Bisher keine Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: